Stark gekürzte Geschichte des Papierstandorts Fockendorf

Papierfabrik Fockendorf um 1925

Papierfabrik Fockendorf um 1925

Die Papierherstellung begann in Fockendorf 1692.

Der herzogliche Rat und Amtmann NicolausZapf hatte die Fockendorfer Getreidemühle erworben und erbaute in unmittelbarer Nachbarschaft eine Papiermühle, die er dann an den Papiermachermeister Christian Rehm verpachtete. Zapf hatte zuvor bereits in Großstöbnitz eine Papiermühle errichtet.

Im Jahr 1700 übernahm Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg selbst die Mühlen des Nicolaus Zapf und erbaute oberhalb des Mühlgrabens eine weitere Papiermühle in Fockendorf. Erster Pächter war hier Johann Wieser, der aus Schrobenhausen in Bayern stammte. Aus dieser oberen Papiermühle entstand später die Papierfabrik.

1861 wurde in Fockendorf die erste Papiermaschine in Betrieb genommen.

1880 erwarb der Leipziger Papiergroßhändler Camillo Drache die Fockendorfer Papierfabrik, modernisierte die vorhandene Papiermaschine und installierte im Zeitraum bis 1885 drei weitere Papiermaschinen in der Fabrik, darunter die damals größte Papiermaschine Europas mit einer Arbeitsbreite von 3 m. Auf ihr wurde Zeitungsdruckpapier hergestellt.

Camillo Drache1886 wandelte Camillo Drache die Firma in eine Aktiengesellschaft um.

1900 erwarb Alfons Simonius, der in Wangen /Allgäu bereits eine Zellstofffabrik besaß, das gesamte Aktienkapital der Fabrik. Er war 1912 Passagier auf der „Titanic“ und einer der wenigen Überlebenden.

1917 verkaufte Alfons Simonius sein gesamtes Aktienkapital, das dann schrittweise der Konzern Waldhof Mannheim übernahm.

1946 wurde die Papierfabrik Fockendorf total demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht.

1949 ging in Fockendorf wieder eine Papiermaschine in Betrieb, es war die erste, die in der Ostzone neu in Gang gesetzt worden war, allerdings war es keine neue, sondern eine aus gebrauchten Teilen verschiedener Herkunft zusammengesetzte Anlage. Aber sie funktionierte.

Während man vor 1945 ausschließlich Schreib- und Druckpapier produziert hatte, wurde jetzt vor allem Sackpapier hergestellt und im Betrieb auch zu Säcken weiter verarbeitet.

1993 verkaufte die Treuhandverwaltung die Fabrik an die Firma ÖKOPACK GmbH. Deren Geschäftsidee scheiterte und 1995 folgte die Gesamtvollstreckung und damit das endgültige Aus der Fabrik.

 

Eine ausführliche Chronik der Fockendorfer Papierfabrik enthält das nebenstehende Buch.

 

Buchangebot

Papiergeschichte des Altenburger Landes

Autoren: Frank Heinzig & Lothar Richter Inhalt:

  • Geschichte der Papiermühle Großstöbnitz
  • Geschichte der Papierfabrik Fockendorf
  • Geschichte der Papiermacherfachschule Altenburg

Preis: 9,80 Euro

ISBN 3-937940-17-0