Ingenieurschule SchulgebäudeEin Teil unserer Ausstellung im Papiermuseum widmet sich der Fachschule in Altenburg, die zuletzt den Rang einer Fachhochschule besaß und über viele Jahrzehnte eine außerordentlich große Bedeutung in der Papierbranche hatte, nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus.

Im Museum befinden sich zahlreiche Ausstellungsstücke, Dokument und Fachliteratur, die uns nach Schließung der Schule zur Verfügung gestellt worden sind. Das bedeutendste Ausstellungsstück ist die Versuchspapiermaschine mit Zubehör, die regelmäßig zu Vorführungen in Betrieb gesetzt wird.

Nachfolgend eine Kurzchronik der Schule und des Studentenvereins:

17. Dezember 1904     

Vorstandssitzung des Vereins Deutscher Papierfabrikanten in Berlin: Dreiteilung der fachl. Ausbildung:

1. achtsemestrige Ausbildung in Darmstadt;

2. viersemestrige Ausbildung in Köthen;

3. zweisemestrige Ausbildung in Altenburg.

Ostern 1905 

Eröffnung der Papiermacherfachschule in Altenburg.

16.  September 1906  

Gründung der Papiermacher-Tafelrunde Altenburg (PTR), als Verband  der jeweils Studierenden, im Gasthof Schwarzer Bär zu Altenburg.

März 1913    

Gründung des Alte-Herren-Verbandes der PTR (AHV), als Verband der Absolventen der Fachschule Altenburg und integrierter Bestandteil der PTR.

1927  

Beginn der Herausgabe der Vereinsfachzeitschrift Der Altenburger Papierer durch den AHV, zunächst als Nachrichtenblatt des Verbandes.

1930                           

Erweiterung der Studiendauer von zwei auf drei Semester.

1931                           

Verlegung der Schule nach Weimar.

1934                           

Zurückverlegung nach Altenburg.

Gründung der Fachschule für Kartonagentechnik.

8. Dezember 1935      

Außerordentliche Hauptversammlung des AHV in Chemnitz, Thema: neue Gesetze der NS-Regierung, die Alte-Herren-Verbände und  die studentischen Vereinigungen an den Schulen verbieten.  Beschluss der HV: der Verband trägt künftig den Namen Altenburger Papiermacher e.V., Altenburg Thür. die PTR wird in den neuen Verein integriert und erhält den Status einer Gruppe des Vereins.

27.  Juli 1940             

Die Papiermacher-Tafelrunde wird aufgelöst und deren Mitglieder durch den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund übernommen.  Der Verein Altenburger Papiermacher e. V. bleibt bestehen.

26.  September 1942  

Zwangsweise Überführung des Vereins Altenburger Papiermacher in die NS-Altherrenschaft F. G. Keller, Fachschulring.

4. Oktober 1946         

Schließung der Schule.

20.  März 1948           

Löschung des Vereins NS-Altherrenschaft F. G. Keller von Amts wegen.

1949                           

Einrichtung der Abteilung Papiererzeugung am Oskar-von-Miller-Polytechnikum in München, als Ersatz für die Altenburger Fachschule.

4. Mai 1950                

Wiedereröffnung der Schule in Altenburg mit einer viersemestrigen Technikerausbildung.

1. Oktober 1951         

Neben der Technikerausbildung wird eine sechssemestrige Ingenieurausbildung geschaffen.

1950 – 1989                

In der DDR bleiben alle Studentenverbände und Absolventenvereine verboten, selbst zwanglose Absolvententreffen sind unerwünscht.

1. Nov. 1952              

Wiedergründungsversammlung des A.H.V. in Mannheim unter dem Namen Papiermacher-Tafelrunde Altenburg-München e. V.

1960                           

Vereinigung der Papiermacher-Tafelrunde Altenburg-München e. V.  und der Fachvereinigung für Papiertechnik Köthen-München e. V. zum Vereinigten Papierfachverband München e. V. (VPM).

1991                          

Letztes Studienjahr für Ingenieurausbildung in Altenburg.

1992 bis 1995             

Ausbildung von Technikern mit einer Studiendauer von zwei Jahren.

1997                           

Übernahme der ehem. Fachschule für Papier- und Verpackungstechnik durch das Berufliche Schulzentrum Altenburg, mit nachfolgendem Auszug aus dem traditionellen Schulgebäude.

Stand 2004                 

Dreijährige Ausbildung von Papiermachern und Verpackungsmittelmechanikern (Azubis) und seit 1999 eine vierjährige berufsbegleitende Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker im Bereich Papier- und Kunststoffverarbeitung.

Quellen: Fachzeitschrift Der Altenburger Papierer Jahrg. 1936 u. 1937; Festschrift Fachschule für Zellstoff und Papier Altenburg 1952; Festschrift 100 Jahre Technikum Altenburg 1995; Thür. Staatsarchiv Altenburg: Amtsgericht Altenburg (D IV Loc. 5 Bb); Lothar Richter in: Ostthüringer Volkszeitung vom 19. und 26. Juni 2001; Frank Baier in: Osterland Rundschau vom 15. Febr. 2001, Bericht zur Jahrestagung des VPM Oktober 2002 in Aachen.

Eine ausführliche Darstellung der Schulgeschichte, wie auch der Geschichte der Altenburger Tafelrunde enthält das Buch Papiergeschichte des Altenburger Landes. Siehe unter Geschichte der Papierfabrik Fockendorf.